Was ist eine Lymphdrainage?

Was ist eine Lymphdrainage?

Ein Therapeut fährt sanft über die Haut, streicht behutsam über den Körper und beschreibt mit seinen Händen im Bereich von Lymphknoten mit ganz wenig Druck kleine Kreise.

Dann presst er seine Finger fest aneinander, legt die flache Hand auf die Körperstelle auf und übt etwas Druck aus. Manchmal legt er auch beide Hände flach nebeneinander und imitiert mit seinen Handgelenken die Bewegung eines Scheibenwischers. Anschließend streicht er wieder über den Körper und folgt dabei dem Verlauf der Lymphbahnen.

Was ein wenig an Handauflegen erinnert, soll dabei helfen, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe zu lösen und den Lymphabfluss anzuregen. Ob dies wirklich funktioniert, wird in wissenschaftlichen Studien unterschiedlich bewertet. Trotzdem findet die sogenannte Lymphdrainage schon seit Jahrzehnten Anwendung im Bereich der kosmetischen und der medizinischen Therapie.

Und auch aus ganzheitlichen Gesundheitskonzepten und dem Wellnessbereich ist die Lymphdrainage nicht mehr wegzudenken. Doch was verbirgt sich dahinter genau? Wann ist eine Lymphdrainage sinnvoll? Und wer bietet sie an?

 

Der folgende Beitrag beantwortet diese und weitere Fragen rund um die Lymphdrainage! :

 

Was ist eine Lymphdrainage?

Bei der Lymphdrainage handelt es sich um eine Anwendung, die darauf abzielt, den Lymphfluss im Körper anzukurbeln. Durch den angekurbelten Lymphfluss lösen sich Stauungen und Schwellungen klingen ab. Da die Behandlung mithilfe von sehr sanften Handgriffen, behutsamen Drucktechniken und verschiedenen Entspannungsübungen erfolgt, wird eine Lymphdrainage als angenehm empfunden.

Doch auch wenn die Lymphdrainage eher wie ein sanftes Streicheln wirkt und nichts mit einer klassischen Massage zu tun hat, sollte sie nur von einem entsprechend ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden.

Die Absicht der Lymphdrainage besteht darin, angestaute Flüssigkeitsansammlungen zu lösen und ihren Abfluss zu beschleunigen. Dies erfordert aber entsprechendes Fachwissen.

 

Auf welchem Prinzip basiert die Lymphdrainage?

Bereits im 16. Jahrhundert vermuteten Mediziner und Wissenschaftler, dass es neben dem Blutkreislauf noch ein anderes Gefäßnetz geben muss, das das Gewebe mit Nährstoffen versorgt und Abfallstoffe abtransportiert.

Wie sich zeigen sollte, lagen die Mediziner und Wissenschaftler mit ihrer Vermutung richtig. Neben dem Blutkreislauf gibt es mit dem Lymphgefäßsystem tatsächlich ein zweites, sehr wichtiges Transportsystem.

Dieses besteht aus verzeigten Lymphbahnen, die den menschlichen Körper durchziehen. Durch die Lymphbahnen fließt eine Flüssigkeit, die sogenannte Lymphflüssigkeit. Die Lymphflüssigkeit liefert zum einen Nährstoffe und Fette in die Körperzellen. Zum anderen transportiert sie Zellabfallstoffe, Schadstoffe, Keime und Viren ab.

Auf den Lymphbahnen finden sich in regelmäßigen Abständen Stationen, die die Lymphflüssigkeit filtern und sie von den Schadstoffen befreien. Diese Stationen sind die sogenannten Lymphknoten. Sie sind meist traubenförmig angeordnet und befinden sich unter anderem in Venennähe, am Hals, in den Achselhöhlen, an den Ellenbogen, im Brustbereich, an den Lenden und im Bereich der Knie.

In den Lymphknoten stecken keimtötende und blutreinigende Zellen sowie weiße Blutkörperchen. Im Fall einer Erkrankung steigt die Anzahl der weißen Blutkörperchen. Dadurch wird der Lymphabfluss behindert und die Flüssigkeit staut sich im Gewebe. Die Folge davon wiederum sind geschwollene Lymphknoten.

Im Unterschied zum Blutkreislauf, bei dem das Herz als Pumpe dient, verfügt das Lymphsystem über keine eigene Pumpe. Stattdessen ist es an das Blutsystem gekoppelt. Aus diesem Grund werden Schadstoffe manchmal erst mit zeitlicher Verzögerung über das Blut abgeführt.

Eine manuelle Lymphdrainage versucht, diesen Abtransport zu beschleunigen, indem der Lymphfluss durch streichende, kreisende, leicht pumpende und sanft drückende Bewegungen angeregt wird. Entdeckt wurde das Prinzip der Lymphdrainage in den 1930er-Jahren durch einen dänischen Physiotherapeut namens Emil Vodder.

Ihm fiel auf, dass Patienten mit Erkältungen und verschiedenen chronischen Infektionskrankheiten häufig geschwollene Lymphknoten hatten. Eine sanfte Massage der Lymphknoten ließ die Patienten schneller gesund werden. Damit war die manuelle Lymphdrainage erfunden.

 

Wann ist eine Lymphdrainage sinnvoll?

Die Lymphdrainage war zunächst eine gängige Behandlungsmethode in der dermatologischen Kosmetik. Dort fand sie vor allem dann Anwendung, wenn Akne oder Narben im Gesicht behandelt werden sollten. Später hielt die Lymphdrainage auch in die Medizin Einzug. Inzwischen übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten.

Grundsätzlich bietet sich eine Lymphdrainage dann an, wenn eine Erkrankung mit Schwellungen des Gewebes einhergeht. Typische Krankheitsbilder sind beispielsweise Verstauchungen und Zerrungen, Knochenbrüche, Blutergüsse, Venenschwächen oder rheumatisch bedingte Ödeme.

Bei neurovegetativen Beschwerden und bei Migräne kann eine Lymphdrainage ebenfalls Linderung verschaffen. Auch zur Vorbereitung oder Nachversorgung bei Operationen wird die Lymphdrainage häufig eingesetzt. Generell stärkt die sanfte Massage der Lymphknoten außerdem das Immunsystem, trägt zum Stressabbau bei, beugt Wassereinlagerungen im Gewebe vor und kann Allergien entgegenwirken.

Liegt ein akuter Infekt vor, darf die Lymphdrainage allerdings nicht angewendet werden. Sie würde nämlich dazu führen, dass sich die Bakterien noch schneller im Körper verteilen. Bei akuten Ekzemen, Asthma, Krebserkrankungen, Thrombosen und einer Herzschwäche ist die Behandlung nicht empfehlenswert und darf, wenn überhaupt, nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

 

Wie wird die Behandlung durchgeführt?

Eine Sitzung dauert normalerweise zwischen 20 und 60 Minuten. Der Therapeut streicht mit sanften Bewegungen über die Haut und führt verschiedene Handgriffe und Drucktechniken durch.

Da viele Lymphbahnen nahe unter der Hautoberfläche verlaufen, reichen die sehr sanften Griffe und Bewegungen völlig aus, um den Lymphfluss anzuregen. Hier liegt ein großer Unterschied zur klassischen Massage, bei der das Gewebe durchgeknetet und mit Druck bearbeitet wird, um so auch die tiefer liegende Muskulatur zu erreichen.

Bei einer Lymphdrainage geht es nicht darum, Muskeln zu lockern, Verspannungen zu lösen oder die Durchblutung anzukurbeln. Deshalb darf eine Lymphdrainage weder schmerzen noch anderweitig unangenehm sein.

Die Lymphdrainage wird in erster Linie von Physiotherapeuten angeboten. Auch Masseure mit Zusatzausbildung, einige Ärzte und speziell geschulte Kosmetikerinnen führen solche Behandlungen durch. In großen Wellness-Einrichtungen, Thermen mit medizinisch-therapeutischen Anwendungen und Kurkliniken ist die Lymphdrainage ebenfalls oft im Angebot.

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