FAQ: Mineralwasser oder Leitungswasser?, 1. Teil

FAQ: Mineralwasser oder Leitungswasser?, 1. Teil

Verschiedene Rückstände aus den Leitungen im Trinkwasser, Bakterien am Wassersprudler und Hormone in PET-Flaschen:

Wenn solche Meldungen die Runde machen, sind viele Verbraucher verunsichert, ob sie noch bedenkenlos Wasser trinken können. Außerdem stellt sich regelmäßig die Frage, was denn eigentlich besser ist – gekauftes Mineralwasser oder simples Leitungswasser?

Trinkwasser

In einem zweiteiligen Beitrag beantworten
wir die häufigsten FAQ zu diesem Thema:

 

Was ist der Unterschied zwischen Mineralwasser und Leitungswasser?

Wenn Regen in der Erde versickert, bahnt er sich durch verschiedene Gesteinsschichten einen langen Weg in die Tiefe. Diese Gesteinsschichten haben einerseits eine Funktion wie natürliche Filter.

Andererseits lösen sich daraus Mineralien und Spurenelemente. So wird das Wasser gereinigt und gleichzeitig mit Inhaltsstoffen angereichert. Damit ist Mineralwasser entstanden. Dieses Mineralwasser sammelt sich anschließend in einer unterirdischen Quelle. Von hier aus wird es von Brunnenbetrieben gefördert.

Die Mineral- und Tafelwasserverordnung gibt vor, dass Mineralwasser aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen stammen und direkt an der Quelle abgefüllt werden muss.

Außerdem muss das Mineralwasser ursprünglich rein sein, eine konstante Mineralstoffzusammensetzung haben und über eine amtliche Anerkennung verfügen. Vorgaben dazu, welche Mineralstoffe in welchen Mengen das Wasser enthalten muss, gibt es nicht. Untersagt ist aber, dass die Betriebe das Wasser aufbereiten. Sie dürfen lediglich Kohlensäure hinzufügen und bestimmte Stoffe wie beispielsweise Eisen herausfiltern. Ansonsten muss Mineralwasser in der Form erhalten bleiben, wie es natürlich aus der Quelle sprudelt.

Das Leitungswasser, das hierzulande aus dem Wasserhahn fließt, ist Trinkwasser. Trinkwasser besteht zu 60 Prozent aus Grundwasser, der Rest wird aus Flüssen, Seen, Talsperren und Quellen gewonnen. Die genaue Zusammensetzung ist je nach Standort verschieden. In den Wasserwerken wird das Trinkwasser meist noch aufbereitet.

Dabei können dann auch mögliche Schadstoffe herausgefiltert werden. Ebenso können die Wasserwerke verschiedene Wässer miteinander mischen, um eine gute Qualität zu erzielen. Apropos Qualität: Bei keinem anderen Lebensmittel wird die Qualität so streng kontrolliert wie bei Leitungswasser. Sobald es etwas Auffälliges gibt, beispielsweise Chemikalien oder Keime, müssen die Wasserwerke eine Warnung herausgeben.

Untersuchungen von unabhängigen Stellen belegen aber regelmäßig, dass das Leitungswasser in Deutschland sehr gut ist und selbst empfindliche Menschen das Wasser ohne Bedenken trinken können.

 

Ist Leitungswasser besser als Mineralwasser?

Eine pauschale Aussage dazu, ob Leitungswasser oder Mineralwasser die bessere Wahl ist, ist nicht möglich. Denn wie das Wasser schmeckt und welche Mineralstoffe es in welcher Zusammensetzung enthält, hängt vom eigenen Wohnort ab. Außerdem bleibt es auch eine Frage der eigenen Vorlieben, ob Wasser aus einer Flasche oder aus dem Wasserhahn ins Glas fließt.

Mit Blick auf Keime und kritische Substanzen muss der Verbraucher aber keine Bedenken haben. Die Wasserwerke garantieren einwandfreies Leitungswasser bis zum Hausanschluss. Der jüngste Bericht des Gesundheitsministeriums und Umweltbundesamtes vom April 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass die Trinkwässer der größeren Versorger durchweg eine gute bis sehr gute Qualität erreichen.

Von einigen wenigen Pflanzenschutzmittelrückständen abgesehen, werden die Grenzwerte für chemische und mikrobiologische Inhaltsstoffe zu über 99 Prozent eingehalten. Sollten die Werte doch einmal überschritten werden, müssen die Wasserwerke die Verbraucher vor dem Verzehr des Trinkwassers warnen und umgehend Gegenmaßnahmen einleiten.

Ab dem Hausanschluss geht die Verantwortung für die Wasserqualität auf den Eigentümer der Immobilie über. Und hier können sowohl alte Bleirohre als auch neue Kupferrohre Verunreinigungen ins Wasser bringen. Diese Gefahr wird zwar immer geringer, besteht aber vor allem in unsanierten oder teilrenovierten Altbauten nach wie vor. Gibt es Schwierigkeiten, muss der Vermieter die alten Leitungen schlimmstenfalls austauschen lassen.

Tipp:

Möchte der Verbraucher wissen, welche Mineralstoffgehalte und welchen Härtegrad sein Leitungswasser hat, kann er beim örtlichen Wasserversorger nachfragen. Bei Fragen zum Bleigehalt und anderen Belastungen ist das Gesundheitsamt der richtige Ansprechpartner.

Das Gesundheitsamt führt entweder selbst Analysen durch oder vermittelt den Kontakt zu einem Labor. Eine Bleianalyse kostet ab etwa 20 Euro. Einige Ämter analysieren das Leitungswasser auf Nachfrage sogar kostenfrei, wenn eine Schwangere oder Kleinkinder zum Haushalt gehören.

 

Führt das Trinken von Leitungswasser langfristig zu einem Mineralstoffmangel?

Die Analyseergebnisse der Wasserversorger belegen, dass Leitungswasser durchaus Mineralstoffe enthält. Welche das sind und in welcher Konzentration sie auftreten, hängt aber vom Standort ab. Andersherum gibt es Mineralwasser, die vergleichsweise mineralstoffarm sind.

Geht es dem Verbraucher um ganz bestimmte Mineralien wie Kalzium oder Magnesium, hilft ein Blick aufs Flaschenetikett. Dort ist die Mineralstoffzusammensetzung aufgeführt. Den gesamten Bedarf kann der Verbraucher aber ohnehin nicht allein durch Wasser decken. Den Hauptteil an Mineralstoffen, Spurenelementen und anderen Stoffen wie Vitaminen liefert eine ausgewogene Ernährung.

 

Ist ein Wasserfilter sinnvoll?

Vor allem leidenschaftliche Teetrinker greifen gerne auf kleine Wasserfilter zurück, um das Wasser für ihren Tee zu enthärten. Der Nachteil der Wasserfilter ist aber, dass sie regelmäßig gereinigt und die Patronen in gewissen Abständen ausgetauscht werden müssen.

Andernfalls kann es passieren, dass sich an den Filtern Keime ansiedeln. Außerdem können sich die Stoffe, die herausgefiltert wurden, am Filter ablagern und bei der weiteren Benutzung wieder ins Wasser zurückgelangen. Wenn es rein darum geht, Schadstoffe aus dem Wasser zu beseitigen, kann auf Filter hierzulande verzichtet werden. Denn die Wasserqualität ist sehr gut und wird permanent streng kontrolliert.

Übrigens:

Wird der Wasserhahn geschlossen, bleibt Wasser in der Leitung stehen. Damit wirklich frisches Wasser im Glas oder der Kanne landet, sollte das Wasser ablaufen. Und zwar solange, bis das Wasser, das aus dem Hahn fließt, spürbar kühler ist. Dann ist nämlich das abgestandene Wasser herausgeflossen und frisches Wasser strömt nach. Notwendig ist das aber nur, wenn der Wasserhahn länger als vier Stunden zugedreht war.

 

Welches Wasser sollte für Säuglingsnahrung verwendet werden?

Auf einigen Mineralwasserflaschen findet sich die Kennzeichnung: „Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet.“ Damit diese Angabe auf den Flaschen stehen darf, muss es sich um ein natürliches Mineralwasser handeln, das strenge Kriterien mit Blick auf den Keimgehalt und eine ganze Reihe anderer Inhaltsstoffe enthält.

Extra Mineralwasser für die Zubereitung von Babynahrung zu kaufen, ist aber nicht notwendig. Das Leitungswasser eignet sich ganz genauso.

Hinweis:

Weder Mineralwasser aus der Flasche noch Leitungswasser aus dem Wasserhahn ist steril. Abkochen sollten die Eltern deshalb beide Wässer.

 

Ist selbstgesprudeltes Wasser genauso gut wie Mineralwasser mit Kohlensäure?

Bei gekauftem Mineralwasser sind die Blubberbläschen oft sehr feinperlig. Die Kohlensäure gibt dem Wasser eine spritzige Note und manchmal auch einen leicht säuerlichen Geschmack. Außerdem hemmt Kohlensäure das Wachstum von Keimen. Mineralwässer mit Kohlensäure in PET-Flaschen haben meist ein etwas kürzeres Mindesthaltbarkeitsdatum als Wässer in Glasflaschen. Das liegt daran, dass die Kohlensäure aus den Kunststoffflaschen schneller entweichen kann als aus Glas.

Schafft sich der Verbraucher einen Wassersprudler an, kann er sich das Schleppen der Getränke sparen. Zudem muss er sich keinen Vorrat anlegen, sondern kann sein Wasser stets frisch zubereiten. Dabei kann er dann auch individuell wählen, wie viel Sprudel er in seinem Wasser haben will. Wichtig ist aber, auf eine gute Hygiene zu achten.

Tipp:

Beim Aufsprudeln sollte der Verbraucher immer sehr kaltes Wasser nehmen. Denn je kühler das Wasser ist, desto besser nimmt es die Kohlensäure auf.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Armin Seckmann, 41 Jahre, Masseur und medizinischer Bademeister, David Kurz, 38 Jahre, Fachangestellter Bäderbetriebe, Melanie Kolenz, 37 Jahre, Wellness Beraterin schreiben hier Wissenswertes und Ratgeber zu Thermalbädern, Wellness und Gesundheit.

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