10 Erkältungsmythen richtig gestellt

10 Erkältungsmythen richtig gestellt

In der Sauna schwitzen, ein heißes Bad nehmen und viel Vitamin konsumieren – das sind typische Ratschläge bei einer Erkältung. Doch helfen sie wirklich?

Jedes Jahr rollt mindestens eine Erkältungswelle durchs Land. Und so ist es auch kein Wunder, dass es früher oder später jeden erwischt. Da eine Erkältung aber meist ohne nennenswerte Komplikationen verläuft und nach ein paar Tagen ausgestanden ist, greifen viele auf Hausmittel zurück.

Diese haben oft schon bei ihren Müttern und Großmüttern gute Dienste geleistet und werden deshalb von Generation zu Generation weitergegeben. Im Laufe der Zeit haben sich so aber unzählige Irrtümer und Weisheiten rund um die Erkältung entwickelt. Grund genug, mit dem Halbwissen einmal aufzuräumen.

Hier sind zehn populäre Erkältungsmythen richtig gestellt:

 

Mythos Nr. 1: Wer sich zu lange im Kalten aufhält, erkältet sich.

„Zieh dich vernünftig an“, „Geh nicht mit nassen Haaren aus dem Haus“ oder „Im Winter sind dicke Socken, Mütze, Schal und Handschuhe angesagt“ sind gutgemeinte Ratschläge, die eine Erkältung verhindern sollen. Aber eine Erkältung wird nicht durch Kälte ausgelöst.

Schuld an der Erkältung ist vielmehr ein Virus, der über die Atemwege in den Körper gelangt und sich dann verbreitet. Ein intaktes Immunsystem hat den Erkältungsvirus normalerweise schnell im Griff. In der kalten und dunklen Jahreszeit arbeitet die Immunabwehr aber nicht mit voller Kraft. Hinzu kommt, dass sowohl die kalte Winterluft als auch die trockene Heizungsluft dazu führen, dass die Nasenschleimhäute schlechter durchblutet sind.

Die Folge davon ist, dass weniger Abwehrzellen zirkulieren und die Erkältungsviren so leichteres Spiel haben. Und durch den längeren Aufenthalt in Innenräumen, in denen sich viele verschiedene Erreger tummeln, bleibt mehr Zeit für eine Ansteckung. Kalte Füße und generell das Frieren sind also keine Ursachen für eine Erkältung, sondern vielmehr eine Begleiterscheinung davon.

 

Mythos Nr. 2: Wer gegen Grippe geimpft ist, bekommt keine Erkältung.

Eine Grippeimpfung bietet Schutz vor dem Grippevirus. Und dieser Grippevirus löst, wie sein Name bereits nahelegt, eine Grippe und somit eine echte Influenza aus.

Für eine Erkältung hingegen sind Erkältungsviren verantwortlich. Wer trotz Grippeimpfung Schnupfen und Husten hat, hat sich also eine Erkältung eingefangen. Und gegen sie ist die Grippeimpfung wirkungslos.

 

Mythos Nr. 3: Wer eine Erkältung hatte, erkältet sich nicht noch mal.

Es gibt nicht nur einen einzigen Virus, der eine Erkältung auslöst. Stattdessen kommen für einen grippalen Infekt unzählige verschiedene Erreger in Frage. Wer bereits erkältet war, ist deshalb nicht immun. Schlägt ein anderer Erreger zu, bahnt sich stattdessen gleich die nächste Erkältung an.

 

Mythos Nr. 4: Bei einer starken Erkältung muss ein Antibiotikum her.

Antibiotika sind sehr wirksam, wenn es darum geht, Bakterien zu bekämpfen. Erkältungen werden aber nicht von Bakterien, sondern in aller Regel von Viren ausgelöst. Antibiotikum und Penicillin helfen gegen die eigentliche Erkältung deshalb nicht weiter. Ganz im Gegenteil können Antibiotika dem ohnehin schon geschwächten Körper noch zusätzlich zusetzen und beispielsweise Übelkeit oder Pilze hervorrufen.

Dass trotzdem manchmal Antibiotika genommen werden müssen, hat einen anderen Grund. Besteht eine Erkältung länger oder ist das Immunsystem stark geschwächt, können die sogenannten Sekundärerkrankungen auftreten.

Hierzu gehören beispielsweise die Lungenentzündung oder die Bronchitis. Sekundärerkrankungen, die durch Bakterien verursacht werden, können mit Antibiotika wirksam behandelt werden.

 

Mythos Nr. 5: Nur wer niest und hustet, kann andere anstecken.

Jemand, der erkältet ist und ständig niest oder hustet, verteilt natürlich seine Krankheitserreger. Doch die sogenannte Tröpfcheninfektion ist längst nicht die einzige Möglichkeit, um sich anzustecken. Denn die Erkältungsviren setzen sich auch auf den Händen, an Türgriffen, auf dem Handtuch, am Telefonhörer und auf der Computertastatur ab. Auch jemand, der noch keine oder keine Erkältungssymptome mehr zeigt, kann also durchaus zur Ansteckungsquelle werden.

Übrigens: Regelmäßiges Händewaschen und Desinfektionsmittel helfen zwar, bieten aber keinen umfassenden Schutz. Wasser, Seife und der hohe Alkoholgehalt in Desinfektionsmitteln können einen Teil der Viren abtöten. Doch die Erkältungsviren verbreiten sich auch in der Luft und gelangen deshalb einfach durchs Atmen in den Körper.

 

Mythos Nr. 6: Vitamin C lindert die Beschwerden.

Vitamin C ist notwendig, damit das Immunsystem funktioniert. Allerdings ist es in aller Regel nicht erforderlich, zusätzliche Vitaminpräparate zu sich zu nehmen. Wer sich ausgewogen ernährt und regelmäßig Obst und Gemüse isst, nimmt durch die Nahrung genug Vitamin C auf.

Überschüssiges Vitamin C scheidet der Körper ohnehin ungenutzt wieder aus. Und Vitamin C kann eine Erkältung weder verhindern noch etwas gegen die Erkältungsviren ausrichten. Das haben zahlreiche Studien bewiesen. Dennoch spricht viel für eine gesunde und vitaminreiche Kost während und nach einer Erkältung. Denn sie hilft dem Immunsystem und dem Körper, sich zu erholen.

 

Mythos Nr. 7: Es ist ungesund, die Nase hochzuziehen.

Die laufende Nase hochzuziehen, mag zwar etwas eklig sein. Mit Blick auf die Gesundheit ist es aber sogar besser, als die Nase ständig zu putzen. Denn beim Naseputzen wird im Nase-Rachen-Raum ein Druck aufgebaut, der viel höher ist als beispielsweise beim Niesen.

Die Folge davon ist, dass das Nasensekret nicht nur aus den Nasenlöchern gepresst, sondern auch in die Nasennebenhöhlen gedrückt wird. Hier können sich die Viren verbreiten und eine Entzündung der Nasenneben- und der Stirnhöhlen auslösen.

Beim Hochziehen der Nase hingegen gelangt das Nasensekret in den Verdauungstrakt, wo es unschädlich gemacht wird. Wer trotzdem lieber zum Taschentuch greifen möchte, sollte die Nasenlöcher nacheinander und mit möglichst wenig Druck putzen.

 

Mythos Nr. 8: Ein Saunabesuch lässt die Erkältung schneller abklingen.

Regelmäßige Saunabesuche und Wohlfühltage im Thermalbad stärken die Abwehrkräfte, trainieren das Immunsystem und können es so einer Erkältung schwerer machen. Allerdings sind solche Maßnahmen wirklich nur zur Vorbeugung geeignet.

Wer bereits erkältet ist, sollte auf die Sauna unbedingt verzichten. Denn die Hitze und das anschließende kalte Duschen belasten das Herz und den Kreislauf zusätzlich. Der Heilungsprozess wird deshalb nicht gefördert, sondern eher noch erschwert.

Hat der Erkältete kein Fieber, ist gegen ein warmes Erkältungsbad in der heimischen Badewanne hingegen nichts einzuwenden. Dabei sollte die Wassertemperatur zwischen 35 und 38 Grad Celsius liegen und die Badedauer höchstens 20 Minuten betragen. Danach sollte es sich der Erkältete kuschelig eingepackt auf dem Sofa oder im Bett gemütlich machen. Hühnerbrühe und Tee oder heiße Milch mit Honig wärmen von innen.

 

Mythos Nr. 9: Sport ist bei einer Erkältung kein Problem.

Durch die Erkältung sind der Körper und das Immunsystem ohnehin schon geschwächt. Sport wird da zu einer zusätzlichen Belastung, die sogar richtig gefährlich werden kann.

Denn bei einer Überanstrengung drohen schwerwiegende Folgeerkrankungen wie eine Lungenentzündung, eine Bronchitis oder schlimmstenfalls sogar eine Herzmuskelentzündung. Sport sollte deshalb erst dann wieder auf dem Programm stehen, wenn die Erkältung vollständig auskuriert ist. Untätig Herumsitzen muss aber auch nicht sein: Ein Spaziergang an der frischen Luft tut durchaus gut.

 

Mythos Nr. 10: Eine Erkältung kann schnell zur Grippe werden.

Eine Erkältung und eine Grippe sind zwei unterschiedliche Erkrankungen. Und sie werden von völlig verschiedenen Viren ausgelöst. Eine Erkältung ist also weder die Vorstufe von einer Grippe noch kann sich eine Erkältung zu einer echten Grippe entwickeln.

Auch der umgekehrte Fall ist nicht möglich. Aus einer echten Grippe kann somit keine Erkältung werden. Eine Erkältung wird von Erkältungsviren ausgelöst und hat meist einen harmlosen Verlauf. Für die Grippe, die Influenza, sind Grippeviren verantwortlich. Sie sind gefährlicher, vor allem für Menschen, deren Immunsystem ohnehin schon angeschlagen ist. Einen Schutz vor den Grippeviren bietet die Grippeimpfung. Eine Impfung gegen Erkältungen gibt es nicht.

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