Grundwissen zu Thermalbädern

Grundwissen zu Thermalbädern 

Das Bäder- und Kurwesen hat sich vor allem dort gut entwickelt, wo Quellen mit heißem Wasser zur Verfügung stehen. Das Wort Therme kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt warm oder heiß. Hat das Wasser eine höhere Temperatur als 20 Grad Celsius, wenn es aus der Erde sprudelt, wird es als Thermalwasser bezeichnet.

Wie wohltuend ein Bad in diesem Wasser sein kann, war schon in der Antike bekannt. So gab es bereits bei den alten Griechen und Römern Thermalbäder. Aber wie sahen diese antiken Thermalbäder aus? Und was ist das Besondere an dem Wasser?

Hier etwas Grundwissen zu Thermalbädern in der Übersicht:

Die antiken Thermalbäder

Schon den alten Römern war klar, dass Wasser nicht nur zum Trinken, Waschen und Reinigen verwendet werden kann, sondern dass Wasser auch eine heilsame Wirkung hat. Frei nach dem Motto “Gesund durch Wasser” entstanden im alten Rom deshalb beeindruckende Bäder mit einer ausgeklügelten Architektur.

Die öffentlichen Badehäuser, die sogenannten Thermen, sollten ein Ort sein, an dem die Besucher entspannen, sich erholen und Heilung finden konnten. Die Thermen sollten die Möglichkeit bieten, das harmonische Gleichgewicht zwischen Körper und Geist wiederherzustellen. Außerdem waren die Thermen ein beliebter und wichtiger Treffpunkt im Hinblick auf das gesellschaftliche Leben. Allerdings blieb der Besuch Männern vorbehalten, denn Frauen und auch Sklaven hatten keinen Zutritt. Die Betriebskosten der Thermen übernahm üblicherweise die römische Staatskasse. Die Besucher mussten so nur eine kleine Eintrittsgebühr bezahlen.

Die Thermen selbst waren sehr groß. Einige von ihnen boten bis zu 1.000 Erholungssuchenden gleichzeitig Platz. Ursprünglich sorgten große Feuerbecken für eine angenehme Wärme in den Badehäusern. Im Jahre 89 vor Christus wurde mit dem Hypokaustum dann eine Art Luftheizung erfunden. Dabei sorgte ein raffiniertes System aus Hohlräumen in den Wänden und den Böden dafür, dass heiße Luft in die Räume gelangte und diese so erwärmte.

Durch das Hypokaustum wurde es möglich, die verschiedenen Räume unterschiedlich stark aufzuheizen und insgesamt eine Raumtemperatur von bis zu 55 Grad Celsius zu erreichen. Eine typische römische Therme umfasste immer auch verschiedene Stationen. So gab es beispielsweise das Laconium als Schwitzbad, das Caldarium als heißes Dampfbad, das Tepidarium als Bad mit lauwarmen Dämpfen und das Frigidarium, das mit eiskalten Güssen für Abkühlung sorgte. Auch das Wasser selbst, in dem die alten Römer badeten, war sehr warm.

So lag die Badetemperatur typischerweise bei rund 40 Grad Celsius. Es war aber nicht überall notwendig, das Wasser aufzuheizen. So nutzten schon die Römer zahlreiche Quellen, bei denen auf natürlichem Wege heißes Wasser direkt aus der Erde sprudelte. Die meisten dieser Quellen sind bis heute beliebte Bade- und Kurorte mit entsprechendem Thermalbad. 

Mineral- und Heilwasser

Die Badekultur der Römer hat nach wie vor Bestand und wird in nahezu identischer Form praktiziert, auch wenn heute gerne das neudeutsche Wort Wellness verwendet wird. Ein Grund für die anhaltende Beliebtheit ist sicherlich, dass ein Tag im Thermalbad einem Kurzurlaub nahekommt und sowohl dem Körper als auch dem Geist Erholung und Entspannung bietet.

Neben dem Wohlfühlfaktor spielt aber auch eine Rolle, dass die Anwendungen mit Thermalwasser zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Die Absicht besteht darin, eine heilende Wirkung zu erzielen. Mit der Heilwirkung von Wasseranwendungen beschäftigt sich übrigens ein eigenständiger Forschungszweig innerhalb der Medizin, nämlich die Balneologie.

Nun ist Wasser aber nicht gleich Wasser. In Deutschland gibt es strenge Richtlinien, wann sich ein Wasser Mineral- oder Heilwasser nennen darf. Ein Mineralwasser muss bestimmte Inhaltsstoffe aufweisen, gehört aber ebenso wie Trinkwasser in die Gruppe der Lebensmittel. Im Unterschied dazu wird ein Heilwasser als Arzneimittel behandelt und unterliegt deshalb der Kontrolle des Bundesgesundheitsministeriums. Nur wenn wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass ein Mineralwasser eine heilende, lindernde oder vorbeugende Wirkung hat, darf es sich Heilwasser nennen. Dabei haben viele Thermalwässer, also die in Thermalbädern genutzten Wässer, die staatliche Anerkennung als Heilwässer. 

Das Thermalwasser

Das Ausgangsprodukt von Thermalwasser ist Niederschlag. Über eine Zeitspanne von mehreren Jahrhunderten versickert dieses Wasser in der Erde und bahnt sich seinen Weg durch die Gesteinsschichten. Auf diesem Weg gelangt das Wasser immer näher an das heiße Erdinnere, wodurch es sich erwärmt. Im Durchschnitt steigt die Wassertemperatur auf diese Weise um einen Grad Celsius pro 33 Meter. Ab dem Zeitpunkt, an dem das Wasser 20 Grad Celsius warm ist, wird es als Thermalwasser bezeichnet. 

Auf seinem langen Weg erhitzt sich das Thermalwasser aber nicht nur, sondern nimmt auch verschiedene Mineralien und Spurenelemente auf. Stößt das Wasser auf Solen, das sind Salzlagerstätten, reichert es sich zudem mit Salzen an. Eisen, Fluor, Jod, Kalium, Kalzium, Kohlensäure, Magnesium, Natriumchlorid oder Schwefel sind deshalb typische Inhaltsstoffe von Thermalwasser. Mancherorts sprudelt Thermalwasser aus natürlichen Quellen und bahnt sich so seinen Weg aus der Tiefe direkt an die Erdoberfläche. An anderen Stellen wird Thermalwasser mithilfe von Brunnen gewonnen.

Je nach Temperatur und Zusammensetzung werden Thermalwässer für viele verschiedene Anwendungen genutzt. So regen beispielsweise Bäder mit hohem Kohlendioxidgehalt die Durchblutung an und haben bei Bluthochdruck und Herz-Kreislaufbeschwerden eine lindernde Wirkung. Schwefel- und Solebäder wiederum werden bei Hautkrankheiten, Rheuma und Schmerzen im Bewegungsapparat eingesetzt. Neben Bädern wird Thermalwasser aber auch für Dampfbäder, Inhalationen und Trinkkuren verwendet.

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